Durch
den Dschungel alternativer Wege
von Thomas Kaestle
Einen schnellen Blick auf Veröffentlichungen zum Schamanismus werfen
zu wollen ist, als wolle man mal eben durch ein vierzigbändiges Lexikon
blättern: ein wenig verwirrend, bunt und meist eher fruchtlos. Ein klar
umrissener Kontext erschließt sich nur mühsam, zu vielfältig sind die Positionen.
Der Kulturwissenschaftler Thomas Kaestle durchschritt den Dschungel von
Richtungen, Meinungen und Einstellungen, von wissenschaftlichen Studien
und anderen Veröffentlichungen zum Thema: Schamanismus, neue Heiden, Hexen,
Psychotherapie, Drogen und andere Wege der Selbstfindung - und bietet uns
eine differenzierte Analyse.
Der Begriff des Neo-Schamanismus bezeichnet die zeitgenössische interdisziplinäre
Tendenz, Versatzstücke authentischer religiöser Praxis aufzugreifen, am
wertneutralsten. Ob sich dabei die Techniken und das Selbstverständnis eines
traditionellen Schamanismus übertragen, ist fraglich. Der Neo-Schamanismus
scheint sich auf den ersten Blick nahtlos in den Do-it-yourself-Baukasten
des Neo-Paganismus einzufügen: Wo sich die neuen Heiden auf angeblich über-lieferte
Traditionen berufen, müssen sie sich kritische Fragen der Historiker gefallen
lassen - viele bekennen sich jedoch selbstbewusst zu ihren (post-)modernen
Religionen. Auf jeden Fall erweist sich die klare Trennung von historisch-ethnologischem
und zeitgenössischem Kontext sowohl beim Paganismus wie auch beim Schamanismus
als äußerst hilfreich, wenn es um einen schärferen Blick auf deren Strukturen
als religiöse Phänomene geht.
Religion oder Technik
So
unübersichtlich und ungeklärt die Spielarten des Neo-Schamanismus einerseits
sind, so uneinheitlich stellen sich andererseits auch die religionswissenschaftlichen
Perspektiven auf das historisch-ethnologische Phänomen Schamanismus dar.
Bis heute existiert keine allgemein anerkannte Definition und selbst die
Frage, ob Schamanismus als eigen-ständige Religion einzustufen sei, ist
noch nicht erschöpfend beantwortet. Allerdings zeichnet sich hier zumindest
eine klare Tendenz ab: Es handele sich um keine Religion, der Schamanismus
sei vielmehr eine Technik, eine Handlungsweise oder ein Rollenmuster, welches
sich unabhängig von religiösen Festlegungen parallel in verschiedensten
Gemeinschaften entwickelt, beziehungsweise schnell Verbreitung gefunden
habe. Dabei zeigen sich jedoch erstaunliche Entsprechungen in Glaubenssystem
und Weltbild dieser Gemeinschaften.
Der Schamane übt die Tätigkeit eines sozial-religiösen Spezialisten aus,
der zwischen seiner menschlichen Gesellschaft und einer Anderswelt, einer
Welt der Geister und Götter als spiritueller Bote und Diplomat vermittelt
- manchmal auch als Führer für Suchende oder für die Seelen der Toten. Hierbei
spielen ver- änderte Bewusstseinszustände ein wesentliche Rolle, welche
durch Drogen oder unterschiedlichste Trance-Techniken hervorgerufen werden.
Eine weit verbreitete grundsätzliche Definition von Schamanismus ist deshalb
jene des Religionswissenschaftlers Mircea Eliade, der im Jahr 1951 als erster
eine umfassende Studie des Phänomens vorlegte und dabei von einer Technik
der Ekstase sprach. *1
Veränderte Bewusstseinszustände
Die biologischen und sozialen Grundstrukturen veränderter Bewusstseinszustände
sind es schließlich auch, denen von einigen Forschern die Universalität
schamanischer Heilungspraktiken zugeschrieben wird *2. Diese, nicht gesellschaftliche
Gegebenheiten, hätten erst zu einem institutionalisierten Schamanismus geführt.
Durch komplexe soziale Strukturen entstehe die Notwendigkeit von Religion
und Priestertum, der Schamanismus hingegen bestehe aus ritualisierten bewusstseinsverändernden
Techniken, in deren Zentrum körperliche und seelische Heilungseffekte stünden.
Ob diese These ausreicht, die zahlreichen weltweiten Übereinstimmungen in
einem höchst differenzierten Glaubenssystem und seinen Anderswelterfahrungen
zu erklären, bleibt zu beweisen. Die Effektivität der Bewusstseinsveränderung
jedoch wird von Medizinern und Biologen bestätigt: Die Anderswelt der Trance
entspricht psychosomatischen Erlebnisdimensionen außerhalb des Wachbewusstseins.
Dabei ist es gleichgültig, ob ein solcher Bewusstseinszustand durch Halluzinogene,
Entzug von Umweltreizen, konzentrative Techniken oder die Bewegung zu hoch-strukturierter
Musik zustande kommt - alle Methoden führen zu vergleichbaren Ergebnissen.
Und die in der alltagsfernen Trance gemachten Erfahrungen wiederum spielen
als formulierte mystische Erlebnisse eine zentrale Rolle in allen Religionen,
gleichgültig ob das Gesehene nun als Himmel, Hölle, Anders- oder Geisterwelt
bezeichnet wird.
Schamanen gelten hierbei lediglich als die älteste und grundlegendste Form
der Ekstatiker. Von der weit-verbreiteten Annahme ausgehend, dass Religion
auf unvermittelter Erfahrung beruht, vermag dieser Umstand den Schamanismus
tatsächlich wieder in den Kontext einer archaischen Grund-Religion zu rücken.
Zugleich lässt sich hier die Gegenthese erörtern, dass unsere Handlungen
und Erlebnisse nur durch unsere Interpretationen auch zu Erfahrungen werden.
Die Frage, wie und warum wir solche Interpretationen formulieren, gilt in
der Religionswissenschaft bislang als kaum geklärt. Eine Antwort könnte
entscheidend sein in der Beurteilung dessen, ob und wie schamanische Praktiken
in spätere Religionen eingeflossen sind.
Tradition
Wie alt der Schamanismus als religiöse Grundstruktur tatsächlich ist, vermag
niemand wirklich zu sagen. Der Begriff ist erstmals im Jahr 1194 als Bezeichnung
für religiöse Funktionsträger im Werk eines chinesischen Historikers belegt
- übrigens als Bezeichnung der Jurcen für ihre weiblichen Magier. Schamanische
Techniken fanden und finden sich über die Jahrhunderte auf fast allen Kontinenten,
in verschiedensten Kulturen und Gemeinschaften. In den vergangenen zwei
Jahrhunderten wurde der Schamanismus jedoch durch das oft aggressive Vordringen
der sogenannten Hochreligionen schrittweise verdrängt - auch wenn sich Riten
und Vorstellungen zumeist in den veränderten Kontexten bewahrt haben. Als
Tradition mit einer mündlichen Überlieferung, einem exklusiven Lehrer-Schüler-Verhältnis
und großem Gewicht auf Familientraditionen büßte er in seinem Verschwinden
vielerorts jedoch an Bedeutung und Strukturen ein. Und wo tatsächlich noch
ungebrochene Überlieferungen anzutreffen sind, ist es bis heute für Außenstehende
fast unmöglich, einen mehr als oberflächlichen Einblick zu erhalten.
Was
ist "Neo"?
Genau dieses Zusammenspiel von alten Traditionen, exklusiven Geheimnissen
und Initiationen, archaischen Grundstrukturen sowie kultureller und religiöser
Verdrängung scheint den fruchtbaren Boden für jene zeitgenössische Transformation
auszumachen, die spirituellen Phänomenen die Vorsilbe Neo einbringt - zumindest
im halbwegs seriösen Umgang mit ihnen.
Was beim Heidentum, und dort vor allem bei Hexentraditionen, bereits im
ersten Drittel des 20. Jahrhunderts begann, geschah mit dem Schamanismus
vor allem ab den 70er und 80er Jahren: Aus einzelnen Bestandteilen des jeweiligen
historisch-ethnologischen Phänomens und verwandter oder assoziierter Bereiche
entwickelten sich neue Traditionen und Religionen mit einer zeitgenössischen
Perspektive. Nach dem Do-it-yourself-Prinzip war und ist es zudem möglich,
immer neue Traditionen und Variationen selbst zu gestalten und sich so eine
hochindividuelle Glaubenswelt zu schaffen. Diese postmoderne Religionspraxis
ist absolut legitim - solange sich mit den (re-)konstruierten Inhalten auch
der Anspruch der Ausübenden verändert. Ein realistischer Blick auf die spirituelle
Heimat und eigene Rolle darin trennt seriöse, eigen-ständige und verantwortliche
Gläubige und Suchende von Hochstaplern und Profilneurotikern.
Die Hexentradition Wicca ist ein Beispiel für den seriösen Umgang mit einer
Neo-Religion. Von Gerald Gardner in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts
aus Elementen traditioneller Überlieferungen, anthropologischer Forschungen,
der Freimaurerei und der Ritualmagie verschiedener Geheimgesellschaften
gegründet und seitdem an den Anforderungen moderner und postmoderner Gesellschaften
weiter-entwickelt, ist Wicca eine Religion geblieben, die weder einer Ursprungsmythologie
noch der Behauptung bedarf, Erbin einer ungebrochenen Tradition zu sein.
Wenn die Anhänger von Wicca schamanische Elemente in ihre Rituale oder Traditionen
integrieren, so tun sie dies idealerweise im Bewusstsein, mit Versatzstücken
umzugehen, denen sie einen neuen Kontext und damit eine neue Bedeutung zuweisen.
Pflichten
Der Weg eines echten Schamanen in seinem historisch-ethnologischen sozialen
Umfeld ist hart und keinesfalls immer angestrebt oder gar erträumt. Hier
wird der Schamane zu seiner Rolle berufen - durch ein traumatisches Ereignis,
das Eingreifen von Göttern oder Geistern. Nach diesem ersten unfreiwilligen
Kontakt mit der Anderswelt ist keine vollständige Rückkehr in den Alltag
mehr möglich. Die Rolle und Aufgabe des Schamanen ist festgelegt: Er ist
verpflichtet, alles zu heilen, was Heilung sucht, er darf nie zum eigenen
Vorteil oder Gewinn handeln. Er ist in einem philosophischen oder mythologischen
Rahmen fest verankert.
Nicht so der Neo-Schamane: Er konstruiert sich seinen Rahmen selbst, ganz
gleich ob er dabei versucht, so nahe wie möglich an angeblich überlieferte
Traditionen zu gelangen oder ob er sich solcher Traditionen als Seminar-Schamane
in anderen Kontexten bedient - zu medizinischen, therapeutischen oder auch
quasi-religiösen Zwecken.
Krieg
den Neos
Bereits der prominenteste Wegbereiter des Neo-Schamanismus, Carlos Castaneda,
hat seine Erlebnisse mit dem mexikanischen Schamanen Don Juan wahrscheinlich
nie auf die geschilderte Weise erlebt, sondern aus authentischen Versatzstücken
fiktiv konstruiert. Seine Bücher sind wissenschaftlich schon lange höchst
umstritten, doch das Geheimnis und die Andersartigkeit ihres Inhalts und
ihres Autors faszinieren bis heute viele Suchende.
Zentral bleiben auch für Neo-Schamanen die Erfahrungen mit veränderten Bewusstseinszuständen.
Dabei steht allerdings häufig nicht das Handeln in der Anderswelt im Mittelpunkt,
sondern die Grenzerfahrung selbst. In einem therapeutischen Zusammenhang
kann der archaische Ursprung der angewandten Techniken so die Funktion einer
legitimierenden Erzählung annehmen. Nicht jeder steht dem Gebrauch schamanischer
Techniken und Handlungen in neuen Kontexten wertneutral gegenüber. Und es
verwundert kaum, dass der Begriff Missbrauch aus den Reihen jener kommt,
die den schamanischen Ursprüngen am nächsten stehen. Die Versammlung der
Dakota-Lakota-Nakota-Stämme der USA und Kanadas hat ihnen im Jahr 1993 den
Krieg erklärt, all jenen, die ihre Traditionen ausbeuten: "Zu lange
haben wir die unaussprechliche Schmach ertragen müssen, wie unsere wertvollsten
Zeremonien und spirituellen Praktiken durch nicht-indianische Wannabees
(Möchtegern-Indianer), Hausierer, Kultisten und selbsternannte ðNew Age
SchamanenÐ sowie deren Anhänger entheiligt, verzerrt und missbraucht werden."
*3
Kontext und Lebensgefühl
Den heiligen Zorn der Lakota in Ehren, wo er sich auf Menschen bezieht,
die schamanische Techniken kommerzialisieren und ihnen dabei verkaufsfördernde
Etiketten wie original oder authentisch verpassen! Allerdings finden sich
inzwischen durchaus Menschen, die schamanische Einflüsse mit dem angebrachten
Respekt und der notwendigen Differenziertheit in ihre persönlichen Kontexte
einbinden. Und schließlich wird es fast unmöglich, ein Urteil über jene
zu sprechen, für die Elemente des Schamanismus zum unbestimmten Teil eines
Lebensgefühls geworden sind, welches sich irgendwo zwischen Festival-Kultur,
Trommel-Sessions und Techno-Veranstaltungen bewegt.
Wer je zu einer Sonnwendfeier die Externsteine besucht hat, kennt die vage
Atmosphäre eines gemeinsamen Feierns, in dem sich eine Vielzahl archaischer
und zeitgenössischer Einflüsse verbinden, darunter auch schamanische: Dutzende
von Feuern, ein pulsierendes Trommeln, ekstatisches Tanzen und die unbestimmte
kollektive Energie einer one night society. Wo fängt die bewusste Einbindung
schamanischer Aspekte an, und wo beginnt der Missbrauch, den die Lakota
anprangern? Der Neo-Schamanismus geht heute zum Teil in den unterschiedlichsten
Traditionen und Religionen des Neo-Paganismus auf und wird so zu einer religiösen
Technik von vielen, häufig verschwimmen seine Konturen im Zusammenspiel
mit parallelen oder zumindest ähnlichen Elementen anderen Ursprungs.
Ganzheitliches Heilen
Zugleich erfahren schamanische Praktiken und deren Heilungspotenzial
zunehmend eine Einbindung in medizinische Konzepte - und werden auf diese
Weise auch außerhalb ihrer Ursprungsgemeinschaften institutionalisiert.
Im Jahr 1980 wurde dem Schamanismus von der Weltgesundheitsorganisation
in der Behandlung psychosomatischer Erkrankungen dieselbe Bedeutung zuerkannt
wie der westlichen Schulmedizin. Und die Nachfrage nach Therapien dieser
Art steigt, nicht nur wegen der Trendfreundlichkeit ihrer Exotik. Die Ernüchterung
durch die Grenzen, die Unsensibilität und Fachblindheit der modernen westlichen
Medizin hat in Rückbesinnung auf alte Traditionen der Heilkunst eine ganze
Industrie des ganzheitlichen Heilens hervorgebracht. In deren Konzepte fügt
sich das schamanische Weltbild ganz hervorragend ein, welches jede Getrenntheit
in der Natur leugnet: Alles ist hier miteinander verbunden, ist Teil eines
großen Ganzen und befindet sich in Kommuni-kation. Vor allem die Einheit
von Körper, Seele und Geist spielt hier eine ganz wesentliche Rolle.
Krankheiten in der Alltagswelt resultieren für den Schamanen immer aus Verstrickungen
in der Anderswelt - ob die Ursache nun in einem bösen Geist oder in der
Verirrung der Seele liegt. Seine Aufgabe besteht also darin, die Bewohner
dieser Anderswelt, mächtige Wesen, oft in Tiergestalt, so lange zu überzeugen,
zu zwingen, zu bekämpfen oder zu befragen, bis die Konflikte gelöst, der
Bann gebrochen oder die Seele wiedergefunden ist. All dies lässt sich auch
als ein Reichtum von Metaphern begreifen: zum Beispiel für Stress, Schock
oder Trauma. In diesem schulmedizinischen Sprachgebrauch wird während einer
Seelenreise ein konkreter seelischer oder körperlicher Konflikt auf einer
anderen Bewusstseinsebene ausgetragen. Dabei können sich blockierte Denkstrukturen
auflösen und ein inneres Potenzial für das Finden von Lösungen oder das
Auffinden verschütteter Zusammenhänge genutzt werden. Der Schamane selbst
befindet sich in einem Zustand der Hypersensibilität und kann sich mit erhöhter
Aufmerksamkeit und Konzentration in Diagnose und Therapie einfühlen.
Seelenrettung
In einer Zeit, in der die Verirrung der Seele von vielen als ein generelles
Symptom unserer Gesellschaft betrachtet wird, verwundert es eigentlich kaum,
dass einer so klaren Strategie zur metaphorischen Seelenrettung wie der
des Schamanismus großes Interesse zuteil wird. Wenn dann noch die Möglichkeit
einer spirituellen Erfahrung mit einer fremdartigen Irrationalität zusammentrifft,
erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines therapeutischen Erfolges zunehmend.
Ist Nicht-Alltäglichkeit und Exotik in unserer rationalisierter Gesellschaft
zu einer Vorausbedingung für ein Sich-Einlassen geworden? Ist eine Distanz
zum wirklichen Leben konstituierend für Heils- (und Heilungs-)Erfahrung?
Der Zugang zu anderen Wirklichkeits- und Bewusst-seinsebenen verbindet den
Schamanismus mit der Hagazussa, jener Reiterin auf dem Zaun zwischen den
Welten, die für viele neue Hexen und Heiden zum Sinnbild ihrer Weltanschauung
geworden ist. Wir sind in unserer westlichen Tradition die Erben langer
Rationalisierungsprozesse, in deren Verlauf die Kontrollierbarkeit und Verlässlichkeit
einer absoluten Wirklichkeit an Bedeutung gewonnen hat. Der Positivismus
mit seiner Forderung nach Beweisbarkeit und Allgemeingültigkeit hat als
Nebenwirkung eine gesellschaftliche Sehnsucht nach alternativen Perspektiven
hervorgebracht, nach Irrationalem, nach Dingen, die eben so sind und sich
einer letztgültigen wissenschaftlichen Erklärbarkeit entziehen.
Neues Heidentum, Neo-Schamanismus und Formen des alternativen Heilens begegnen
sich in dieser Sehnsucht - und in dem nahezu unüberschaubaren Labyrinth
der dazugehörigen Theorien, Praktiken, Traditionen, Lehren und Pamphlete.
Wege im Dschungel
Dabei schließt die Nicht-Erklärbarkeit einen reflektierten, strukturierten
und produktiven Umgang mit ihren Phänomenen nicht aus. Der Kybernetiker
Ernst von Glasersfeld hat seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts dazu
beigetragen, das Konzept der Viabilität zu etablieren: Was funktioniert,
ist erlaubt; unsere Konstruktionen müssen passen, nicht stimmen. Dieses
Konzept ermöglicht, auf nicht beweisbaren Grundlagen aufzubauen, um so zu
neuen, brauchbaren Ergebnissen zu kommen. Allerdings ist hierfür ein gemeinsames
Einigen auf Grundlagen und Vorgehensweisen unerlässlich.
Dies ist zweifellos in den überschaubaren Gemeinschaften, in denen der Schamanismus
seinen Ursprung hat, einfacher, als in unserer westlichen Zivilisation.
Dennoch gilt gerade für Neo-Paganismus und Neo-Schamanismus mit ihrer Vielzahl
unter-schiedlichster, unkoordinierter Perspektiven und Ansätze: Erst gemeinsame
Strukturen machen diesen Dschungel begehbarer und sorgen so für mehr Seriosität
und Transparenz. Diese Qualitäten mögen nicht in jedermanns Interesse liegen.
Aber all jene, die ernsthaft um Traditionen, Religionen und religiöse Techniken
bemüht sind, werden es zu schätzen wissen, auch von Außenstehenden ernst
genommen werden zu können.
Literatur:
Eine kommentierte Literatur- und Linkliste findet sich auf der Internetseite
www.hexenbuecher.de, deren Betreiber dem Autor
freundlicherweise die notwendigen Strukturen zur Verfügung gestellt haben.
Hingewiesen sei auf das Buch "Hagazussa - Auf dem Zaun zwischen den
Welten", einen Bildband über neue Hexen und Heiden (www.hagazussa.de), dessen Autorin Esther Beutz
Fotografien für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat. (siehe auch:
Rezension in diesem Special)
Fußnoten:
1) Eliade, Mircea: Schamanismus und archaische Ekstasetechnik, Frankfurt
am Main 1999
2) Winkelman, Michael James: Shamans, Priests and Witches, Tempe 1992
3) Eyapaha, Vol. 2, Issue 22, siehe auch www.kondor.de/special/kriegs.html
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