Wer ist die Kunst? Funktion und Selbstverständnis
von Thomas
Kaestle
2004
hat der Kunstverein Hildesheim im Kerber Verlag seine dreiteilige Reihe mit
Themenreadern zu Grundfragen zeitgenössischer Kunst mit dem Band 'Wo ist die
Kunst? Zur Geographie von Schnittstellen' begonnen. Nach dem zweiten Reader
'Wann ist die Kunst? Prozess, Moment, Gültigkeit' stellt der dritte Reader die
Frage 'Wer ist die Kunst? Funktion und Selbstverständnis'.
Nach Ort und Zeit nun also 2006 die Frage nach der Person, quasi
nach dem offensichtlichen wie unfreiwilligen Personal des Kunstsystems.
Gleichgültig ob ein solches System nun eher im Sinne der vor etwa zehn Jahren
vorgeschlagenen technoiden Metapher eines 'Betriebssystems' begriffen wird,
oder eher entsprechend der Luhmannschen Systemtheorie: Die Frage nach den Menschen,
die es bevölkern, liegt nahe. Welche Rollen hält es für sie bereit, auf welchen
Ebenen lässt sich hier (inter-)agieren oder gar manipulieren? Wer übt gezielt
Macht aus, und auf welche Weise? Wer entscheidet über Definitionen und Bedeutungszuweisungen?
Und wer ist dabei schließlich auf wen angewiesen? Oder geht es am Ende auch
ohne Kommunikation und Konsens? Die Unterzeile des Jahresthemas deutet an, dass
die Verstrickungen in ein solches System auf unterschiedlichsten Ebenen stattfinden
können es macht eben tatsächlich einen Unterschied, wer hier aus eigenem Antrieb
eine bestimmte Funktion betreibt, und wer lediglich für den Zweck anderer funktioniert.
Indem das Jahresprogramm 2006 unterschiedlichste Positionen rund um die Bildende
Kunst thematisiert, rundet es die Trilogie ab, mit deren grundlegenden Fragen
nach der zeitgenössischen Kunst Kurator Thomas Kaestle gewiss nicht die erste
Bestandsaufnahme dieser Art versucht nur eben ein aktuelle in den Kontexten
des neuen Jahrtausends. Die Natur der Frage bringt es mit sich, dass das Programm
für 2006 voller Kooperationen steckt: Mit Sammlern, Institutionen, Netzwerken...
Sie bedingt auch, dass sich der Fragende am Ende selbst hinterfragt: Zum Jahreswechsel
2006/2007 steht im Kunstverein die kuratorische Ablösung an. Grund genug, nicht
nur andere nach Funktion und Selbstverständnis zu befragen, sondern auch die
eigene individuelle Perspektive auf die zeitgenössische Bildende Kunst zu durchleuchten.
Nur eben nicht mit letzten Antworten, sondern vielmehr mit neuen Experimenten
und Fragen: Wer fragt da eigentlich? Und mit welchen Absichten?
Der Katalog erscheint als übergreifende Publikation des gesamten Ausstellungsjahrs
2006 des Kunstverein Hildesheim. Herausgegeben von Thomas Kaestle für den Kunstverein
Hildesheim
Format: 22,4 x 28,0 cm, 154 Seiten mit zahlreichen
Abbildungen, Softcover, gebunden, EUR 19,80

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